das feuervideo [clip]
von Philiph Strasser
Prof. Dr. Andreas Ziemann: Der Fernsehmensch
Gedanken zum Feuervideo
Das Fernsehen wird im Videoclip zu »Feuer« zur Allegorie des Traums wie des Lebens – alle befinden sich auf der Reise, alles ist unterwegs. Der Mensch ist nur noch Mensch als Fernsehmensch. So wie das Fernsehen keinen Anfang und kein Ende kennt, sondern ein einziger ›flow‹ ohne Unterbrechung ist, so beschreibt auch Rottlers Lied eine Reise ins Ungewisse (»Ich weiß es nicht genau. Aber ja, ich glaube schon …«), deren einziger Fixpunkt Feuer, Zigarette, Rauch(en) sind; die Frauen sind auch nicht mehr da: »Eine letzte Zigarette … Ich hatte gerade nicht zugehört.«
Wir sind alle auf diesem langen Flug des Lebens. Und wo Zigarettenasche verglüht, da ist der Übertritt zum verglühenden Leben nicht weit: »Du wirst als Stern verglühen, auf diesem langen Flug«. Wo Leben uns Rauch, Rausch und Träume beschert – Raumschiff appräsentiert Rauschgift, und beide führen uns ins Traumschiff –, da rauscht auch der Fernseher und zeigt uns den Ausnahmefall der Bildstörung. Träume werden im Fernsehen schon lange nicht mehr gezeigt; eher die bescheidene Wirklichkeit oder ein ästhetisierter Hyperrealismus. Aufgebaut zu Türmen, eben jenen Fernsehtürmen, oder abgeflacht zu Trittklötzen, zu Fernsehsteinen, die unseren Weg pflastern, daraus entsteht der architektonische Hintergrund für Rottlers Fernsehmensch. Der sucht, der wandert, der „wollte nur Musik; vertraute Musik« und hebt schließlich ins Weltall ab und findet dort seine entspannte wie grenzenlose Freiheit. Beschränkung allein das kognitive System als Fernsehkopf.
Am Ende wird alles verglühen und ins Schwarze verschwinden, nichts hat da seine Spur hinterlassen: Erinnerung gelöscht. Wo Feuer in aller Konsequenz keine Geschichte, kein Gedächtnis, keinen Möglichkeitshorizont kennt, da bleibt Rottler nur das Ausweichen auf ein anderes Element: »Wasser«. Das ist aber nicht nur ein anderes Leben, das ist auch ein anderes Lied – im Rottler’schen Kosmos.