heldenfällen - begegnungen
Ein Hörspiel zum Thema Helden und Vorbilder.
Interviewpartner:Guido Buchwald, Schorsch Kamerun und Georg Schramm
Sprecherin (Dr. Eva Hasenberg): Eve Klotz
Kontrabass: Boris Nielsen

VorÜberlegungen
Das Hörspiel Heldenfällen setzt sich mit Vorbildfiguren und Helden auseinander. Für diese Hörspielproduktion ist es mir gelungen, den Fußballspieler Guido Buchwald, den Musiker und Theaterregisseur Schorsch Kamerun und den Autor und Kabarettisten Georg Schramm für mehrstündige Interviews zu gewinnen. Diese haben aufgrund ihrer Herkunft, ihres Werdegangs, ihrer politischen Sozialisierung und vor allem ihrer sehr unterschiedlichen Vaterfiguren ausdifferenzierte Persönlichkeitsstrukturen und Lebensentwürfe entwickelt, die mit Hilfe von Interviewcollagen beleuchtet werden sollen. Das Hörspiel interessiert sich speziell für etwaige Brüche und Umwälzungen in den unterschiedlichen Biographien der befragten “Idole”. Dabei wird die Aufmerksamkeit auf die Vorbilder der jeweiligen Zeit und Lebensumstände in Siebenjahresschritten gelenkt. Diese doch recht phasenspezifische Betrachtung kann als Versuch verstanden werden, den jeder Biographie zugrunde liegenden Selektionsprozess um eine weitere Unterscheidung zu ergänzen.
Ich unternehme mit diesem Hörspiel den Versuch, meine eigene Biographie anhand der Biographien meiner Helden und Vorbilder zu skizzieren. Diese Identifikationsfiguren dienten in den jeweiligen Lebensphasen als Vorbilder und stehen bei dieser Betrachtung symbolisch für einen gewissen Lebensabschnitt.
Die Biographie – eine Dramaturgie
Jede Biographie hat ihre besondere spezifische Charakteristik darin, durch Selektion und Aussparung, durch Raffung und Dehnung das vergangene Leben zu rekonstruieren. Sie gibt gleichwohl an, wahrheitsgemäß über die Zäsuren, Erfolge und Enttäuschungen zu berichten und somit gewissermaßen Ursachenforschung zu betreiben; um (Selbst-)Erklärungen für das Dasein zu finden und womöglich zu erörtern. Die schriftliche Vergegenwärtigung und Kontextualisierung sind vordergründig Versuche, dem Wahrhaftigen auf die Spur zu kommen, um eine möglichst detailgetreue Abbildung der Wirklichkeit zu erreichen.
Eine Autobiographie anzufertigen bedeutet, die Entschluss gefasst zu haben, sich schriftlich mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen, um möglichst ein aufschlussreiches Gesamtbild zu erzeugen. Der Inhalt wird hierbei der Struktur untergeordnet. Der spezifische Standpunkt zum gegenwärtigen Moment des Schreibens formt rekonstruierend die Vergangenheit zu einer geordneten Einheit und rückt das Ich in den Mittelpunkt. Anhand der Beschreibung von Schlüsselerlebnissen, Karriereschritten, Erfolgen, Traumata und Schicksalsschlägen wird versucht, das Individuum, seine Handlungen und seine sozialen Beziehungen zu erklären. Gerade die Tiefpunkte, die Verdunklungen und Ängste sind es, die in keiner Biographie fehlen dürfen. Man gewinnt teilweise den Eindruck, dass Schicksalsschläge und persönliche Niederlagen erst jeglichen Erfolg ermöglichen und besondere Lerneffekte ausgelöst haben. Der Mensch wird durch die Summe seiner Narben erklärbar.
Große Biographien wirken wie geschlossene Handlungen, eine Art Aneinanderreihung mittlerer, kleinerer und größerer Katastrophenbewältigungen. Kleinste Störungen und Verletzungen können weitgreifende Änderungen bewirken. Wunden werden oft zur Selbsterklärung und dienen als Mittel der Selbstbeschreibung. Gleichzeitig ergibt sich der Eindruck einer chronologischen Erzählfolge, als ob ein Ereignis immer das Ergebnis des vorherigen war und Ursache des nächsten sein wird. Banales und Belangloses, das den Alltag eines Menschen bestimmt und ausmacht, wird bewusst ausgespart.
Fehlgeleitete Kindheiten, verkorkste Pubertäten, unerfüllte Lieben, der Tod eines geliebten Menschen, schmerzhafte Übergänge, laute und leise Niederlagen, dazwischen Momente von Glück – das ist in der Summe ein sich alles in allem anbahnender und fortlaufender Prozess: Die Schaffung der eigenen Biographie. Eine Art Greatest Hits der Ups und Downs.
Die Liste – ein Versuch der Ordnung
„Wo komme ich her und wer bin ich?“ [Prominent fragt bereits Kant in seiner „Logik“: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?] Eine zentrale Frage, die meist mit dem Einsetzen der Pubertät eine gewichtige Rolle spielt. Das Streben nach Wissen und der Versuch, die Wahrheit über sich selbst herauszufinden, ist ein lebenslängliches und niemals enden wollendes Unterfangen.
„Das bin ich“, sagen die Profile von Facebook, Myspace und Studi-VZ. Die Parameter: Herkunft, Hobbys, Grundschule, Lieblingsbands und Bücher. Diese Informationen bieten gemeinsam mit den Urlaubsphotos von Gran Canaria und der graphischen und musikalischen Inszenierung ein mehr oder weniger amorphes Puzzle der Persönlichkeit eines jeden Community-Mitglieds. Die Liste als eine Art Ansammlung von Querverweisen, ein tabellarischer Lebenslauf der zweiten Art. Es sind fragebogenartige, Datenbank-kompatible Fragmente, deren Dramen zwischen den Zeilen stehen.
In diesem Zusammenhang drängt sich unweigerlich der Gedanke an Nick Hornbys Buch High Fidelity auf. Dessen Protagonist ist ein Listenmensch, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, alles in Top-5-Manier zu klassifizieren, beispielsweise die besten fünf Wavegruppen der 80er Jahre, die besten fünf französischen Schriftsteller, die besten fünf Filme oder die all time favorite Biersorten. Nick Hornby macht in seinem Besteller nicht einmal vor Partnerschaften halt und resümiert über seine Top Five der in die Brüche gegangenen Beziehungen.
Eine solche Betrachtung ist natürlich äußerst problematisch und unzureichend. Zum einen kann sie immer nur eine Momentaufnahme sein und ist nur unter größter Ausblendung bei gleichzeitiger Fokussierung möglich. Es ist ein plump anmutender Versuch, wider besseren Wissens, Komplexität durch großzügige Ausblendung sachlicher Kriterien zu reduzieren; ein offensichtlich unzureichendes Ranking, das nur unter größtmöglicher Ausblendung von Grundannahmen und Überzeugungen möglich ist. Und doch unterscheidet sich die Dramaturgie einer Biographie nur unwesentlich von dieser Herangehensweise. Der Moment der Auswahl und Fokussierung ist bei diesem Ansatz lediglich radikalisiert und zugespitzt. Die in Siebenjahresschritten untersuchten Lebensabschnitte zeichnen einen nachvollziehbaren und interpretierbaren Verlauf.
Kindheit – die Ursache
Die Kindheit gilt als Fundament des mühsam errichteten Ich-Gebildes, das in einer Art Folgebetrachtung von scheinbar sich wechselseitig bedingenden Aneinanderreihungen von Ereignissen entstanden ist. Die ersten Lebensjahre stehen zumeist im Mittelpunkt von Biographien. Jean Care zufolge verbringt man seine Lebenszeit damit, „das Kind umzubringen, das man war“, Elias Canetti spricht von der Kindheit als seiner sowohl glücklichsten als auch unglücklichsten Zeit, Thomas Bernhard nennt den ersten Teil seiner fünf autobiographischen Schriften schlichtweg “Die Ursache”. Große Brüche und Enttäuschungen ergeben große Biographien. Menschliche Dramen werden Motive und Allgemeingut, Exile werden Schaffensräume. Persönliche Tiefpunkte und Verwundungen schaffen Höhepunkte in Kunst, Literatur und Politik.
Die Kindheit ist das viel beschworene Paradies der Unschuld, jenes Ausgangsversprechen einer Biographie, ein Erklärungsversuch beginnend bereits Jahre vor der Geburt. Die Biographie der Eltern, das Verhältnis zu ihnen und speziell die Vaterfigur sind das unerlässliche Substrat jeglicher biographischen Betrachtung. Sowohl schönen Ereignissen wie auch traumatischen Kindheitserlebnissen werden große und nachhaltige Auswirkungen zugeschrieben. Störungen werden zu Traumata, Konflikte ziehen eine lebenslange Aufarbeitung nach sich.
„X wurde als Sohn des Y in Z geboren“ als standardisierter Beginn von Kurzbiographien, der die soziale Herkunft und Umgebung in einem Satz skizziert und bereits eine erste Erwartung impliziert. Beruf und Herkunft als erste Rahmenbedingungen für die Auseinandersetzung mit der Vaterfigur.
Heldenfällen – Ein Hörspiel
Der Titel Heldenfällen ist eine Anlehnung an das skandalträchtige Buch Holzfällen. Eine Erregung von Thomas Bernhard. Ich verstehe den Begriff des Heldenfällens als einen Prozess des Annäherns und Auseinandersetzens mit den eigenen Vorbildern und Helden. Die intensive Beschäftigung mit den Biographien und Werken von Vorbildern geht mit dem Zerbrechen der einstigen Idealbilder und Projektionsflächen einher. Das einstige projizierte, glanzvolle Idealbild wird unter anderen Gesichtspunkten betrachtet, in ein anderes Licht gesetzt und erhält hierbei Schatten und Brüche. Helden werden dadurch greifbar, erfahrbar, nachvollziehbar und entmystifiziert sowie die Heldenfunktion dekonstruiert. Der Held wird gewissermaßen mit Erlangen der kritischen Ich-Reife gefällt, vom Sockel gestoßen. Gerade die Intensität der Idealisierung von Vorbildern in der Kindheit und Jugendzeit ist bei Erwachsenen nur selten zu finden. Es ist der Bildcharakter der Idealisierung, die Lichtseite zu betrachten und gleichzeitig die Schattenseite konsequent auszublenden.
Die Rahmenhandlung – The Story
Um nicht eine bloße O-Toncollage anzufertigen, erarbeitete ich gemeinsam mit dem Psychologen Dr. Michael Eyb eine Rahmenhandlung. Dafür schuf ich die Rolle der Psychologin Dr. Eva Hasenberg, die nach den Sitzungen mit dem Protagonisten die Geschehnisse und ihre Eindrücke auf ein Tonbandgerät spricht. Diese zusammenfassenden Monologe rahmen und verbinden die einzelnen Themenblöcke der Interviews, begründen zudem innerhalb des Hörspiels die Vorgehensweise in Siebenjahresschritten und lassen zusätzlich Rückschlüsse auf die Lage des Protagonisten zu.
Der Protagonist, der sich zeitlebens immer stark an Personen und politischen Ideen orientiert hat, verzweifelt darüber, dass ihm die Vor- und Leitbilder abhanden gekommen sind und blickt resigniert fragend in eine Zukunft, die für ihn keinerlei Perspektive eröffnet. Der Resignation Einkehr gewährend trauert er seinem einstigen Idealismus und seiner Begeisterungsfähigkeit hinterher und vermisst die Utopien und Vorbilder seiner Kindheit und frühen Jugend. Der Verlust der naiven kindlichen Subjektivität, das Abhandenkommen der Euphorie und Begeisterungsfähigkeit, die Verabschiedung von politischen Idealen und Vorstellungen und das Fehlen einer Leitfigur erfüllen den Protagonisten derart mit Sorge, dass er sich in eine therapeutische Behandlung begibt. Als eine Art Aufarbeitung und Annäherung an diese Problematik bekommt der Protagonist von seiner Therapeutin die Hausaufgabe, eine Liste mit Helden und Vorbildern zu erstellen. So ist er gezwungen, sich diesem Drahtseilakt des Ausblendens und Fokussierens unfreiwillig zu entwerfen. Anhand der erstellten Liste soll mittels eigenwilligem Therapieverfahren die Grundproblematik des Klienten herausgearbeitet werden, um sich schrittweise der perspektivlos scheinenden Situation anzunähern. Strukturgebendes Element ist hierbei die Betrachtung der Biographie in Siebenjahresschritten. Auf dieser gedachten Leiter sollen punktuell Entwicklung und Vorstellungen skizziert, Brüche und Umwälzungen und die Vorbilder in den jeweiligen Phasen aufgezeigt werden.
Die Zielgruppen- und Rezipientensteuerung – Identifikation
Das Hörspiel Heldenfällen richtet sich in erster Linie an jeden, der bereits Vorbilder und Helden in seinem Leben hatte oder hat, beziehungsweise an jene, die eine solche Heldenbewunderung nicht nachvollziehen können und anhand eines Einzelfalls einen Einblick für die Beweggründe für diese Verehrung und starken Orientierung an Vorbildern erhalten wollen. Gleichzeitig versteht sich dieses Hörspiel als sehr persönliches Porträt der Interviewten.
Dadurch dass sowohl Fragen zur die Kindheit, als auch zur politische Identität gestellt wurden, positionieren sich die Herrn Buchwald, Kamerun und Schramm zwangsläufig in der politischen Landschaft und geben zudem Aufschluss hinsichtlich ihrer Lebensgeschichte und Persönlichkeitsentwicklung. Durch die Reihung Vaterfigur, Fußballspieler, Musiker, Schriftsteller und schließlich Kabarettist und der jeweiligen phasenspezifische Betrachtung der Lebensabschnitten, wird der Zuhörer eingeladen, Vergleiche mit seiner eigenen Biographie anzustellen und womöglich Ähnlichkeiten festzustellen. Die Deklination in Siebenjahresschritten eröffnet dem Hörer die Möglichkeit anhand dieser Struktur sich seiner Kindheit- und Jugenderinnerungen zu vergegenwärtigen und regt diesen idealerweise zu einer Auseinandersetzung damit an. Heldenfällen wagt ebenso einen Blick in die Zukunft, fragt nach politischen und persönlichen Strategien und Perspektiven und bietet dem Zuhörer durch Themen wie RAF und Kapitalismuskritik die Möglichkeit, sich politisch zu positionieren und zu hinterfragen.
Schlussbetrachtung
Wie Ich bereits dargestellt habe, ist bei der Biographie die Aussparung eine Form der reflexiven Überhöhung. Doch welche Motivation versteckt sich hinter dieser Form, welchem Zweck dient sie als Mittel? Das Eindampfen der eigenen Lebensgeschichte auf signifikante Höhepunkte, die wiederum in der subjektiven Erinnerung verkürzt dargestellt werden, sind Eigenschaften einer jeden Biographie. Darüber hinaus sind sie selbstverständlich geschönt und verschweigen oder verdrängen unliebsame und unbequeme Momente. Gleichzeitig werden diese Momente, insofern sie beschrieben werden, als Rechtfertigungen und Erklärungsversuche für mögliche Schwächen und Verfehlungen eingesetzt. Gerade bei persönlichen Rückblicken von Menschen, die sich eine Bühne gesucht haben für Ihre Tätigkeit, sei es eine Kleinkunstbühne, ein Fußballplatz oder eine Konzerthalle, ist diese Konstruktion eines selbst bestimmten Kontinuums nahe liegend. Sie ist Teil des eigenen Schaffens. Die Wahrheit ist auf Dauer langweilig, schreibt der französische Regisseur François Truffaut, man muss sie auf eine gewisse Weise anordnen, eine Weise, die eine passende Dramaturgie ergibt, die fesselt und auf Dauer die positiven Dinge überwiegen lässt. Schorsch Kamerun, Georg Schramm und auch Guido Buchwald sind sich ihrer Vorbildwirkung durchaus bewusst und sie wissen die Schieflagen, Erfolge und Brüche ihrer eigenen Biographie einzusetzen, um die eigene Figur glaubwürdig erscheinen zu lassen – vor dem Publikum und vor sich selbst. Der Schritt in eine solche Interviewsituation ist auch ein Schritt auf eine Bühne. Und doch obliegt es dem Interviewer beziehungsweise dem Zuhörer, gerade diese Selbstinszenierung zu erkennen oder großzügig zu übersehen. Dann hat er immer noch die Möglichkeit, sein Bild vom jeweiligen Erzähler zu schärfen oder zu bestätigen. Auch das hat eine durchaus ernst zu nehmende Funktion. Der prominente Erzähler kann auch durch die Vortäuschung von Überzeugungen und Haltungen Ängste oder Zweifel, Enttäuschungen beim Hörer hervorrufen oder ihn in bestimmten Auffassungen bestärken. Es geht darum, ein klares Bild von sich zu entwerfen, dem man folgen oder das man ablehnen kann, nicht um Wahrhaftigkeit. Die Konstruktion eines Kontinuums von rein subjektiv erklärbaren Verzahnungen von Ereignissen ist natürlich kein Phänomen, das nur Berühmtheiten vorbehalten ist, sondern eine Methodik, die auch in der Psychologie und Verhaltenstherapie angewandt wird ( Ein Exempel wir hier anhand Heldenfällen statuiert). Die Retrospektive geht einher mit der Inszenierung, nicht selten mit der Verklärung. So stellt sich fortwährend die Frage nach Authentizität und Wahrheitsgehalt. Doch wer liest Biographien, was interessiert uns an Ihnen? Wie lässt sich eine Beziehung zwischen dem vermeintlich Einzigartigen und der Masse vermittelt über die Lebensgeschichte erklären? Geltungssucht, das Verbiegen der Wirklichkeit, die Rechtfertigung für alle persönlichen Unzulänglichkeiten, der Wunsch sich im Großen wieder zu finden? Eine Biographie steht stellvertretend für eine gewisse Zeit, für ein gewisses Denken unter gewissen Umständen. Die Frage ist, inwiefern sie eine Dramaturgie der Aussparungen und Überhöhungen benötigt, um ihre Wirkung zu entfalten? Sind die Protagonisten in ihrer eigenen biographischen Rückschau ehrlich zu sich selbst, oder steckt diese Verkünstlichung, nachträgliche Korrektur und Euphemisierung der eigenen Biographie in jedem von uns und geschieht automatisch? Ich stelle die These auf, dass jegliche biographische Rückschau eine gezielte Vergangenheitsverklärung ist, die sich automatisch je nach Person mehr oder weniger drastisch darstellt. Es geht primär nicht um Wahrhaftigkeit, sondern darum, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen und der Nachwelt und sich selbst ein Bild zu skizzieren. Heldenfällen ist streng genommen ein inszenierter und verklärter Rückblick auf meine eigene Biographie und operiert ebenso mit den Stilmitteln der Verkünstlichung und Euphemisierung, die eben nicht nur im Bereich der Kunst oder Literatur eingesetzt werden, sondern auch im Prozess der psychoanalytischen Behandlung von Patienten bewusst oder unbewusst angewendet werden. Diese Arbeit zeigt spielerisch die Parallelen von Interviewsituation und therapeutischer Behandlung auf und lässt die Grenzen zwischen diesen beiden Disziplinen verschwinden. Die Interviewten und schlussendlich auch der Interviewer selbst werden in diesem Hörspiel zu Patienten, die ihren Narben und Wunden offen zur Schau stellen und somit jegliches idealisiertes Heldenbild fällen.